| |
Schöne Ausgabe!
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Das Kamasutra: Mit Umzeichnungen von indischen Miniaturen des 18. und 19. Jahrhunderts (Gebundene Ausgabe) Das Kamasutra - Ein hochinteressantes Liebeslehrbuch aus dem 3. Jahrhundert. Die vorliegende Ausgabe, basierend auf der Übersetzung von Klaus Mylius, hat eine schön handliche Taschenbuchgröße und wartet (wie die ganze erotische Buchserie des Verlages) mit einem blutroten Ledereinband und goldener Schrift auf. Und es steht dem Buch wirklich gut zu Gesicht.
Wer sich im Vorfeld nicht über den Inhalt des Buches informiert hat, der wird, wie auch die Rezensionen zu anderen Ausgaben vermuten und bestätigen, irritiert bis enttäuscht sein, aber anders als andere sehe ich darin keinen Grund zur Abwertung des Buches. Das Kamasutra ist eben nicht das Handbuch für unmögliche Verrenkungen beim Sex, wie leider die westliche Grundmeinung ist, im Gegenteil: von den etwa 300 Seiten beschäftigen sich ganze 6(!) mit den reinen Stellungen; der Rest beschäftigt sich mit den anderen Themen der Liebe, patriarchat-typisch meist (aber nicht immer) aus männlicher Sicht: die wichtigen Kenntnisse in Bildung und Kunst, um wen man werben sollte und wie, der Weg zur Hochzeit, die Spielarten des Umarmens und Küssens, welche körperlichen und charakterlichen Typen am Besten zusammenpassen, wie man eine verheiratete Frau zum Ehebruch verführt und dergleichen mehr. Selbst leichter Sadomasochismus und homosexuelle Praktiken werden ohne falsche Scham behandelt.
Vieles aus dem Buch ist auch heute noch anwendbar, anderes natürlich dagegen nicht mehr (eine potentielle Braut unter Ermordung ihrer Brüder und Freunde zu entführen, dürfte heute nicht sonderlich von Erfolg gekrönt sein), aber insbesondere geschichtlich ist das Werk sehr interessant und zeigt die Moralvorstellungen des Indiens vor 1800 Jahren. Bemerkenswert dabei ist, daß sich der Autor Mallanaga Vatsyayana um eine wissenschaftliche Sicht bemüht und unterschiedliche Ansichten aus anderen Werken zu gleichem Thema vorstellt und diskutiert.
Abgerundet wird das Buch durch ein Glossar, das die nicht übersetzten Begriffe verständlich erklärt.
Lediglich die zwölf Illustrationen schmälern ein wenig den Gesamteindruck, da sie etwas wahllos im Buch verteilt sind und nur eine Alibifunktion zu haben scheinen.
Wer also ein Buch mit vielen Bildern sucht, der sollte lieber zu den (in der Regel stark textgekürzten) großformatigen Hochglanzausgaben greifen; hier geht es um den Text.
Wer sich hingegen für die indische Kultur, alte Texte, Geschichte oder auch für ein paar Tips im Umgang mit anderen Menschen interessiert, der ist mit diesem Buch wirklich gut bedient. Vor allem für den Preis!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 31. Oktober 2006 |